Moin zusammen,
Nellys /Ronalds Ausführungen lesen sich wie die Werbeanzeige eines Tuning Anbieters.
Um den Motor auf 165PS zu bringen, reicht es nicht ein paar Parameter der Motorsteuerung zu ändern.
Hier wird massiv eingegriffen. Einspritzzeitpunkt, Einspritzmenge, etc. verändert, bzw. Multiplikatoren „aufgespielt“, welche dem Motor suggerieren weiterhin im „Normalbetrieb“ zu laufen.
Beim 2,2l ist der Unterschied zwischen 120 und 140 PS tatsächlich „nur“ eine andere Programmierung des Steuergerätes. Der 165PS Motor hat durch die höhere Leistung allerdings auch ein paar wichtige Änderungen in der Mechanik. Die höhere Leistung erfordert hier stärkere Pleuel und Kurbelwellen Lager, der Turbolader erzeugt mehr Ladedruck. Die Leistung dem „leichteren“ Motor abzuverlangen bedeutet, dass die übliche Laufleistung aufgrund der höheren Belastung der Bauteile nicht erreicht werden kann.
Ein moderner Motor ist dafür gebaut mit B7 und zukünftigen Nachfolgern zu laufen. Dieser Kraftstoff hat bei der Verbrennung keinen geringeren Wirkungsgrad als B0 aus dem Jahre Katarina der Heizbaren. Warum sollte man daher einen solchen teureren Diesel tanken? Außerdem bekommt man den im Ausland meist eh nicht.
Wer hier einen Vorteil sieht, der fällt auch auf die Werbung von Shell/Aral zum Superkraftstoff rein. Denn obwohl Ultimate oder V-Power laut Werbung kein FAME enthalten sollte, sind durch die Transportwege trotzdem hohe Anteile enthalten. Bei einem Test von V-Power entsprach der FAME Anteil über 6%.
Es ist genügend wissenschaftlich nachgewiesen, dass dieser Kraftstoff weder zu geringerem Verbrauch, noch zu mehr Leistung führt. Die minimalen Steigerungen liegen unterhalb der Streubreite/Toleranz, welche die Motoren ohnehin aufweisen.
Der Rest sind ein paar „geheimnisvolle“ Additive, welche sich die Hersteller fürstlich bezahlen lassen. Diese verhindern bis zu einem gewissen Grad Ablagerungen und „halten“ den Motor sauberer. Daher bleibt die Leistung auch bei längerer Betriebszeit auf dem Auslieferungszustand. Bei neuen Motoren gibt es überhaupt keinen Unterschied.
Das alles erreicht man übrigens, gegenüber dem regelmäßig teureren Sprit, auch mit einer weitaus günstigeren Motorspülung beim Ölwechsel.
Der anscheinend geringere Verbrauch durch eine Leistungssteigerung ist objektiv auch nicht gegeben. Durch die höhere Leistung beschleunigt das Fahrzeug schneller und kommt eher in den Schubbetrieb. Flachland Tiroler haben da eventuell tatsächlich einen kleinen Vorteil. Sobald es hügelig wird, kehrt es sich ins Gegenteil um. Denn mehr Leistung kommt nicht von allein, sondern nur dann, wenn entsprechend Energie im Sinne von Kraftstoff zugeführt wird. Rein physikalisch ist es nicht möglich dem Diesel mehr Vebrennungsenergie zu entlocken, als er in dem Motor schon vorher hatte.
Gerne dürft ihr mich anhand Testreihen und/oder sonstigen Informationen eines Besseren belehren. Mein Nachbar und Freund, leitender Entwicklungsingenieur für Verbrennungstechnolgie bei Mahle, freut sich bestimmt auch darüber, Das würde nämlich seine ganze bisherige Arbeit „auf den Kopf stellen“.
Rechtlich ist es tatsächlich ein absolutes Risiko. Seit einigen Jahren „sammelt“ jedes Fahrzeug über den Data Recorder so ziemlich alles auf. Bei einem Unfall mit Personenschäden werden diese Daten ausgelesen.
Und die Versicherung sind besonders bei Wohnmobilen sehr aufmerksam, was die nicht eingetragene Leistungssteigerungen angeht.
Tuning also nur dann, wenn eine entsprechende Abnahme erfolgt.
Ansonsten ist das unverantwortlich.
Gruß
Olaf