Hallo H. Joachim und an alle,
die ihren Humor trotz der Bürokratie noch nicht verloren haben,
bevor wir uns hier weiter über neue Regeln und Bußgelder den Kopf zerbrechen, dachte ich mir:
Ich erzähle euch mal meine Begegnung mit der deutschen Bürokratie – eine kleine Episode aus dem Wohnmobilalltag, die zeigt, dass man manchmal nur noch lachen kann, um nicht zu verzweifeln.
Ich wollte eigentlich nur eines:
Mit meinem Wohnmobil kurz am Straßenrand anhalten, um die widerspenstige Navi‑Halterung festzuziehen. Nichts Großes, nichts Dramatisches. Zwei Minuten Arbeit, maximal.
Kaum hatte ich den Motor aus, hörte ich hinter mir dieses typische deutsche Räuspern.
Ein Räuspern, das ankündigt: Gleich kommt ein Formular.
Ich drehe mich um und da steht er:
Ein Ordnungsbeamter mit Klemmbrett, Warnweste und dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der seit Jahren keinen Spaß mehr hatte.
„Guten Tag. Sie stehen hier.“
Ich nicke. „Ja. Das ist ein Parkplatz.“
„Das war einmal. Seit der neuen Regelung ab 1. Juli gilt das hier als temporäre Sondernutzung des öffentlichen Raums mit Fahrzeugen über 3,5 Tonnen. Haben Sie das Formular 47b‑Erich ausgefüllt?“
Ich starre ihn an. „Den… was?“
Er blättert in einem Ordner, der so dick ist wie mein Wohnmobil‑Handbuch.
„47b‑Erich. Speziell für Personen, die Erich heißen und ein Wohnmobil besitzen. Wir mussten das differenzieren, weil es zu viele Erichs gibt, die einfach irgendwo stehen.“
Ich atme tief durch. „Ich wollte nur die Halterung festziehen.“
„Ah! Dann brauchen Sie zusätzlich das Formular 47b‑H. H wie Halterung. Und das Umweltverträglichkeitsblatt für spontane Reparaturen.“
Ich schaue auf die Halterung.
Dann auf ihn.
Dann wieder auf die Halterung.
„Und wenn ich einfach weiterfahre?“
„Dann benötigen Sie das Formular 12f. Antrag auf Nicht‑Stehen. Aber Achtung: Wenn Sie während der Fahrt die Halterung anfassen, ist das eine mobile Reparaturmaßnahme und fällt unter die Kategorie 12f‑R.“
Ich schließe die Augen.
Ich öffne sie wieder.
Er steht immer noch da.
„Wissen Sie was?“, sage ich.
Ich starte den Motor.
„Ich fahr jetzt einfach auf den Campingplatz. Da ist die Bürokratie wenigstens vorhersehbar.“
Der Beamte nickt zufrieden.
„Sehr gut. Dann denken Sie bitte daran, dort das Formular 88‑C einzureichen.“
„Was ist das denn?“
„Antrag auf Erholung.“
Es Grüßt ER – der Typ, der’s erlebt
ICH – der Typ, der’s erzählt